Kann man Wanderreiten als Training für Distanzritte ansehen?

Diese Frage stelle ich mir jedes Jahr, wenn ich auf die Stonehillranch im Mühlviertel in Österreich zum Reiten fahre.

Heuer waren wir spät dran, denn normalerweise fahren wir immer Pfingstsonntag bis kommenden Donnerstag auf die Ranch. Da mittlerweile aber sehr viele Leute gesehen haben, wie toll es da ist, konnten wir im letzten Jahr nur noch die Woche drauf buchen. Eine Vorlaufzeit von über einem Jahr ist nun scheinbar notwendig.

Die Anreise erfolgt immer ab 14:00 Uhr

Naja zumindest steht es so in der Reservierungsbestäigung. Da wir allerdings immer gern die ersten sind und dann einfach mehr vom Tag auf der Ranch haben, sind wir um 09:00 Uhr zuhause los gefahren. Etwas mehr als 300 km und eine verdammt kurvige Strecke nach Linz später waren wir dann doch schon um 13:00 Uhr auf dem Berg angelangt. Gott sei Dank waren die Putzfeen schon fertig und so konnten wir unser Quartier, die Hütte Montana, beziehen. GI Sira und GI Bashim haben wir gleich auf die Koppel gebracht, damit sie sich die Beine vertreten konnten.

Ein Willkommenstrunk muss sein

Das dachte sich auch mein Hase (so nenne ich meinen Mann Michael 😉 ) und so stellten wir den mitgebrachten Roséwein kalt und öffneten bald darauf die erste Flasche. Die Sonne schien und der Hängestuhl vor der Hütte lud zum gemütlichen Blick übers Tal ein. Nach und nach kamen dann auch unsere anderen Begleiter für die 5 Tage an. Jeder wurde von Hase gastfreundlich mit einem Gläschen begrüßt.

Die Pferde grasten derweil friedlich auf der Koppel und genossen genauso wie wir die Sonne. Da es aber immer pünktlich um 19:00 Uhr Abendessen auf der Stonehillranch gibt, holten wir sie aber gegen 18:00 Uhr wieder und stellten sie Ihren Paddock, der sehr idyllisch an dem Felsen vor unserer Tür lag. Dann ging es runter in den Saloon, wo auch schon das mega leckere Barbecue auf uns wartete. Mit einem Glas Wein beschlossen wir dann den Tag.

Morgenstund hat Gold im Mund

Da wir wussten, dass das Wetter am späteren Nachmittag umschlagen sollte, wir aber noch eine größere Runde reiten wollten, standen wir ziemlich früh auf um die Ersten beim Frühstück zu sein. Hatte ich schon erwähnt, dass die Mühlviertel einen echt gut bewirten? Wenn nein ist das hiermit nachgeholt – verhungern tut sicher niemand, eher ein wenig zulegen.

Philipp, der Reitwanderführer vor Ort, fragte uns, wie lang wir reiten wollten. Unsere Sorge galt dem Wetter und so machten wir aus, dass wir die längere Rittstrecke vor der Brotzeit gehen wollten. Gesagt getan. Wir sattelten unsere Pferde und machten uns zu siebt auf den Weg zur Nordweide. Auf dem Weg dahin kamen wir an der Pferdetränke vorbei, die sich hervorragend eignet, um Pferden zu lernen, dass Wasser nicht beißt und man dort ganz gut hindurchgehen kann. Sogar GI Bashim hat es dann verstanden und sich ein Herz gefasst.

Ohne Schnaps kein richtiger Mühlviertelbesuch

Und das ist wirklich so – egal wohin man reitet, ein Hausbrand oder ähnliches wird immer gereicht. Und erst recht bei der Schnapsrast, die sich darauf spezialisiert hat, Reiter beschwipst zu machen. Reitet sich dann gleich viel leichter 🙂

Weiter ging durch die tolle Landschaft mit ganz schönen An- und Abstiegen. Die Youngster in unserem Team GI Sira, GI Bashim und Mahdi von Annika hatten ganz schön zu tun das Gleichgewicht zu halten und nicht nur einfach den Berg hoch und runter zu schlurfen, sondern schön die Hinterhand einzusetzen, um den Schwerpunkt unters Pferd zu bekommen.

Wanderreiten als Training für Distanzritte also geeignet?

Nach der Mittagspause gings zurück zur Ranch

Nachdem wir uns auf der Nordweide gestärkt und einige von uns den Trail Parcours unsicher gemacht hatten, ging es zurück zur Ranch. Wir beeilten uns ein wenig, denn der Himmel zog zu und der Wind wurde stärker. Aber wir kamen noch trocken zurück und konnten sogar noch entspannt alles fertig machen.

Wie auf dem Bild zu sehen, haben wir wirklich in nur knapp 4 Stunden und 19 km ganz schön Höhenmeter gemacht – 564 m hoch und die auch wieder runter. Ich war gespannt, wie es den Pferden am nächsten Tag ging und was die Muskulatur sagen würde. Um diese warm zu halten, deckten wir Sira und Bashim über Nacht ein, denn es fing an zu regnen.

Nach einem leckeren Abendessen gingen wir auch recht bald in unsere Hütte und dann auch schlafen. Frische Luft macht müde und die Bewegung auch 🙂

Der Wetterbericht sollte Recht behalten

Am nächsten Tag war der Himmel wolkenverhangen und es regnete. Beim Frühstück entschieden wir alle, dass es heute ein Saunatag werden würde. Ein Teil von uns ging schon mittags dorthin, Anna und ich bewegten Sira und Bashim noch ein wenig auf dem Platz. Die beiden liefen frischer, als wir es erwartet hatten. Nur ein wenig schlechte Laune hatten sie wegen dem Wetter – Araber halt.

Am Nachmittag genossen wir dann die Wärme und Gemütlichkeit der Saunahütte mit Sauna, Infrarotsauna, Kamin und herrlichem Ausblick ins Tal. Der Regen störte da überhaupt nicht und so ging der Tag recht ereignislos und völlig entspannt mit einem Abendessen zu Ende.

Am letzten Reittag konnten wir nur eine kleine Runde gehen

Aufgrund verschiedener Dinge die passiert waren, mussten Anna und ihre Schwester am Nachmittag des folgendes Tages vorzeitig abreisen. Deswegen entschieden wir uns für eine kurze Runde, die es aber in sich hatte. Der Anfang der Strecke war recht leicht mit marginalen Höhenunterschieden. Als wir dann aber in Haid Richtung Fluss abbogen, der in einem Tal lag, wurde es noch recht anstrengend. Es ging nicht nur ziemlich hoch und runter, sondern der Boden war auch durch den Regen vorm Vortag aufgeweicht und rutschig. Ich war gespannt, wie die Pferde diesen Weg mit den Duplos laufen würden.

Wieder Erwarten hatten wir mehr Probleme als GI Sira und GI Bashim. Die kamen definitiv besser mit dem Boden klar als wir. Da es an der Seite ganz schön runter ging ins Tal, liefen Anna und ich einen Großteil der aufgeweichten Strecke und waren froh, dass unsere Schuhe nicht im Morast stecken blieben.

Nach dem nochmaligen Besuch der Schnapsrast – das Zeug da ist aber auch lecker – machten wir uns mit sehr entspannten und von der Muskulatur her etwas angestrengte Pferde wieder auf den Heimweg. Dort angekommen gab es wieder ne riesige Portion Heu und Auslauf auf der wieder abgetrockneten Koppel.

Am nächsten Tag fuhren wir dann heim und ich glaube, unseren Pferden hat es richtig Spaß gemacht.

Kann man nun Wanderreiten als Training für Distanzritte ansehen?

Ein ganz klares JA und warum?

  1. Die Pferde lernen Hänger zu fahren und gut ein und auszusteigen, wenn man die Wanderreitquartiere besucht.
  2. Die Pferde lernen sich in fremder Umgebung zu entspannen und zu fressen und unterwegs zu saufen.
  3. Die Pferde bekommen neue Anreize was die Umgebung, örtliche Gegebenheiten, Flüsse, Berge usw. betrifft.
  4. Die Pferde lernen in der Gruppe zu laufen.
  5. Die Pferde lernen während der Pause Ruhe zu geben.
  6. Die Pferde müssen streckenmäßig und auch zeitmäßig – also long slow – ganz schön viel zurücklegen und das oft an mehreren Tagen.
  7. Die Pferde müssen immer wieder verschiedene Muskulatur zum überwinden der Strecken einsetzen und bauen diese somit schonend auf.
  8. Die Pferde werden trittsicher, denn nicht immer geht es auf geschotterten oder ebenen Sandwegen dahin. Man muss nehmen, was kommt.

Ich denke, die Aufzählung könnte noch länger werden und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Deshalb würde ich mich über Kommentare von Euch freuen. Was findet Ihr am Wanderreiten so toll? Wo geht Ihr Eure Wanderritte? Was ist Euch beim Wanderreiten wichtig?

Schreibt einfach etwas dazu. Ich freue mich riesig drauf.

Eure

Annika

Annika Lojewski

 

 

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